31.03.12

Laufevent

Kiprop peilt Topzeit beim Berliner Halbmarathon an

Exakt 21,0975 Kilometer liegen am Sonntag vor den Sportlern aus aller Welt. Wilson Kiprop ist der Star im Läuferfeld.

Foto: REUTERS
Asbel Kiprop of Kenya  competes in the men's 800 metre during the Sydney Track Classic
Wilson Kiprop geht beim Berliner Halbmarathon an den Start. Mit seiner Verpflichtung ist der veranstaltenden SCC Events GmbH ein echter Coup gelungen, schließlich ist der 24-Jährige amtierender Weltmeister im Halbmarathon

Philes Ongori hat einen guten Ratschlag parat: "Man muss viel Ugali essen", antwortet sie auf die Frage, was sie den deutschen Läufern denn empfehlen könne, um ihre Leistungen zu steigern. Na ja, da muss die Favoritin beim 32. Berliner Halbmarathon am Sonntag selbst lachen, die Höhenluft in ihrer kenianischen Heimat helfe natürlich auch. Deshalb verlegen immer mehr Läufer aus Europa ihr Trainingslager ins Hochland von Kenia. Der Berliner Robert Krebs vom SCC zum Beispiel, der erst am Mittwoch nach gut vier Wochen aus Ostafrika und knapp 2500 Metern Höhe zurückgekehrt ist.

Der 22-Jährige hat auch viel Ugali, einen Getreidebrei aus Maismehl, gegessen. Gewöhnungsbedürftig sei diese Speise, gibt er zu. Ansonsten jedoch genieße man in Kenia "die besten Bedingungen, die man sich vorstellen kann". Viele kenianische Topläufer hat er im Trainingszentrum im dortigen Iten getroffen. "Das gibt einem gleich eine besondere Motivation." Sich auf Trainingsläufe mit Kenianern einzulassen, sei aber nicht ratsam. "Die wollen immer gleich ein richtiges Rennen machen", sagt Krebs. Da sei die Gefahr zu groß, dass man sich "abschießt", wie er es nennt. Ein Synonym unter Läufern dafür, sich zu übernehmen. Was kontraproduktiv gewesen wäre in Hinblick auf das Rennen in Berlin. Nach der Absage von Stefan Koch wegen Verletzung hat Krebs gute Chancen, in seiner Heimatstadt bester Deutscher zu werden.

Ganz vorne werden allerdings andere zu finden sein: natürlich Läufer aus Kenia. Ugali-gestärkt geht Wilson Kiprop ins Rennen. Mit dessen Verpflichtung ist der veranstaltenden SCC Events GmbH ein echter Coup gelungen, schließlich ist der 24-Jährige amtierender Weltmeister im Halbmarathon. 2010 gewann er in Nanning (China) den Titel, der alle zwei Jahre vergeben wird. 2011 war für ihn allerdings ein verlorenes Jahr, weil er wegen einer Schienbeinverletzung lange pausieren musste. Jetzt ist er aber wieder voller Tatendrang und sagt: "Ich bin in besserer Form als vor zwei Jahren." Das lässt eine gute Zeit erwarten.

Ob er allerdings den bestehenden Streckenrekord von Patrick Makau (58:56 Minuten) aus dem Jahr 2007 wird gefährden können, ist fraglich. Auch weil die Witterung für die Kenianer doch ein bisschen zu kühl sein dürfte. Tageshöchsttemperaturen von 8 Grad sind prognostiziert, wenn die Stars um 10.45 Uhr starten, wird es noch etwas kühler sein.

Die stärksten Konkurrenten von Kiprop kommen erwartungsgemäß aus seiner Heimat: Leonard Langat (21) und Denis Koech (18). Langat wehrt sich bei seiner Vorstellung dagegen, dass Berlin seine Problemstadt sein könnte. Jeweils einmal beim Halbmarathon und beim 25-km-Lauf war er bereits hier am Start – beide Male blieb er allerdings hinter den Erwartungen zurück. Diesmal, so verspricht er, sei die Form gut, die Vorbereitung sei viel besser verlaufen als damals.

Koech ist einer der Besten aus der Generation ganz junger kenianischer Läufer. Am 17. Februar 2012 machte er zum ersten Mal international auf sich aufmerksam. Seine Premiere außerhalb Kenias endete gleich mit dem Sieg beim Halbmarathon in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate). "Ich konzentriere mich ganz auf Straßenläufe", erzählt der junge Mann, der beispielhaft für viele kenianische Nachwuchshoffnungen steht. "Sie nehmen nicht mehr die klassische Entwicklung über Rennen auf der Bahn", erklärt Mark Milde, der Renndirektor des Halbmarathons. Der Grund ist klar: "Das scheint ihnen attraktiver zu sein." Viele sind beseelt von der Hoffnung, dass das Geld im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegt. Allerdings schafft es aus dem riesigen Talent-Reservoir in Kenia nur ein Bruchteil, aus der Armut ganz nach vorn zu laufen.

So wie eben Philes Ongori, die im vergangenen Jahr bei ihrem Marathondebüt in Rotterdam gleich gewann. "Sehr enttäuscht" sei sie gewesen, dass der kenianische Verband sie nicht ins Marathon- Team für die Olympischen Spiele im Sommer in London berufen hat. "Aber bei der Weltmeisterschaft 2013 in Moskau will ich unbedingt dabei sein."

Achtung! Verkehrsbehinderungen

Autofahrer und Radfahrer müssen am Sonntag mit zahlreichen Verkehrsbeeinträchtigungen wegen des Berliner Halbmarathons rechnen. Zwischen 9.30 und etwa 14.30 Uhr können Autofahrer nur eingeschränkt von außen in die City Ost und West gelangen oder diese verlassen, teilte die Polizei vorab mit.

Anwohner und Passanten wird zum Umsteigen auf S- oder U-Bahnen geraten. Hinzu kämen nahezu ganztägige Halteverbotszonen am Start- und Zielpunkt der Laufstrecke, der sich auf der Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Alexanderstraße befindet.

Nähere Informationen sind im Internet sowie am Veranstaltungstag ab 8 Uhr über eine Hotline der Polizei unter 030-4664984050 erhältlich. mit dpad

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