28.03.12

Rockerkriminalität

Polizei-Großeinsatz in Berlin gegen "Bandidos"

In einem Rockerclub der Bandidos in Berlin hat es erneut eine Razzia gegeben. Grund dafür waren Haftbefehle gegen fünf Personen.

Foto: Steffen Pletl
Bandidos
Einsatz: Ein SEK-Beamter führt einen mit Haftbefehl gesuchten Mann ab

Die Polizei ist erneut mit einem Großaufgebot gegen die Rocker-Szene vorgegangen. Zeitgleich stürmten die Einsatzkräfte, darunter Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK), am Mittwochabend ein Vereinslokal der Rockergruppe "Bandidos" an der Streustraße in Weißensee und acht Wohnungen im gesamten Stadtgebiet. Bei dem Einsatz waren insgesamt 200 Beamte im Einsatz, davon allein 100 in Weißensee. Dabei sollten fünf Haftbefehle gegen "Bandidos"-Mitglieder vollstreckt werden, ausgestellt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Autobrandstiftung und Raubüberfällen, sagte ein Polizeisprecher am Abend.

In dem Klubhaus an der Streustraße trafen die Beamten auf 30 "Bandidos". Nach Informationen der Berliner Morgenpost befanden sich darunter zwei der Männer, gegen die Haftbefehle erlassen worden waren. Auf Widerstand stießen die Beamten nicht. Auf dem Dach des Gebäudes hatten drei "Bandidos" Beobachtungsposten bezogen. Ob sie mit einem Einsatz gerechnet hatten oder gegen eine mögliche Attacke der rivalisierenden Rockergruppe "Hells Angels" gewappnet sein wollten, ist derzeit noch unklar. Als die Polizei anrückte, versuchten die drei Beobachter noch, sich auf dem Dach zu verstecken – allerdings vergeblich. Die Durchsuchung des Klubhauses und des Geländes dauerte bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch an. Über das Ergebnis der Durchsuchungen in den acht Wohnungen von "Bandidos"-Mitgliedern wurde am Abend nichts bekannt.

Hintergrund der polizeilichen Maßnahmen gegen das Rocker-Milieu sind nahezu immer drohende Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Rockergruppen "Bandidos" und "Hells Angels". Trotz eines vollmundig verkündeten Friedensabkommens leisten sich beide Seiten immer wieder wechselseitige Attacken, bei denen es nicht nur zu gewalttätigen Schlägereien kommt, sondern immer wieder auch Schüsse fallen. Vor zwei Wochen kam ein Rocker nach einer Auseinandersetzung zwischen den Gruppen in Tegel mit einer Schussverletzung ins Krankenhaus. Kurz zuvor war in unmittelbarer Nähe des Klubhauses an der Streustraße ein von Kugeln durchsiebtes Auto gefunden worden, Anwohner hatten zuvor Schüsse gehört. Die Polizei geht auch hier davon aus, dass es sich um eine Auseinandersetzung unter den rivalisierenden Rockern gehandelt haben muss.

Quelle: hhn/mb/plet
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