Völkermord

16.744 Schuhe erinnern an Genozid in Srebrenica

Srebrenica - diese kleine Stadt in Bosnien ist zum Synonym für den brutalen Balkankrieg geworden. Am Sonntag erinnern Menschenrechtler in Berlin an das Massaker, das vor genau 15 Jahren stattfand.

Foto: dpa / dpa/DPA

Mit einer Mahnaktion am Brandenburger Tor in Berlin hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Sonntag des Massakers im bosnischen Srebrenica vor 15 Jahren gedacht. Ein Berg aus 16.744 Schuhen erinnerte an die 8.372 Menschen, die serbische Truppen am 11. Juli 1995 ermordet hatten.

Mit der Aktion will die GfbV die europäischen Regierungen dazu aufrufen, sich für die Auslieferung des mutmaßlichen Hauptkriegsverbrechers Ratko Mladic an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien einzusetzen. Darüber hinaus drängt die Organisation auf die Aufnahme Bosniens in die EU und die Nato.

Schuhe als Säule der Schande

Aus den Schuhen, unter denen sich laut GfbV auch Schuhe von Opfern befinden, soll später eine acht Meter hohe "Säule der Schande" am Ort des Massakers im bosnischen Potocari errichtet werden. Sie solle an das "Versagen" des UN-Sicherheitsrats erinnern, der den Genozid nicht verhindert habe, betonte die Organisation. Auf der Säule sollen die Namen von Persönlichkeiten eingraviert werden, die den Opfern ihre Hilfe versagten. Zudem solle das Monument zur Wiedervereinigung Bosnien aufrufen, das seit 1995 in zwei Verwaltungseinheiten geteilt ist.

In Bosnien sollten am Sonntag 775 weitere Opfer des Massakers in der Gedenkstätte Potocari bestattet werden. Immer mehr der Toten aus den Massengräbern vom Sommer 1995 können mithilfe von DNA-Tests identifiziert werden. Exhumiert wurden bisher offiziellen Angaben zufolge Überreste von 8.372 Toten, von diesen erhielten bis jetzt 6.557 durch die Forensiker in der bosnischen Kleinstadt Tuzla ihre Namen zurück.

Während des Bosnien-Krieges war Srebrenica 1993 zur Schutzzone der Vereinten Nationen erklärt worden. Ein Bataillon von 450 niederländischen Blauhelm-Soldaten sollte die Sicherheit der Bevölkerung garantieren. Mehr als 40.000 Zivilisten suchten dort Zuflucht. Mitte Juli 1995 überrannten Serben den Ort. Vor den Augen der Blauhelmsoldaten begann die systematische Aussonderung der Jungen und Männer, die auf Felder, in Scheunen und Schulbauten außerhalb des Ortes verschleppt und erschossen wurden.

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