#Flüchtlingefressen

Vor dem Gorki Theater sitzen immer noch die Tiger

Der Tigerkäfig vor dem Gorki Theater sollte abgebaut werden. Die Tiere sind immer noch da. Sie könnten ein Fall für die Justiz werden.

Foto: Steffen Pletl

Die lebenden Tiger vor dem Maxim Gorki Theater in Berlin könnten zum Fall für die Justiz werden. Eine Behörde hat angeordnet, dass die Kunstaktion "Flüchtlinge Fressen" mit dem Tiger-Gehege verschwinden soll. Die Erlaubnis werde "ab sofort" widerrufen. Das öffentliche Straßenland sei innerhalb der nächsten zehn Tage vollständig zu räumen, teilte das Bezirksamt Mitte am Mittwoch mit. Das Theater will hingegen weitermachen. Die Frist des Bezirks geht über den Stichtag der Kunstaktion hinaus.

Die Bühne arbeitet mit der für Provokationen bekannten Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit zusammen. Diese fordert eine Änderung der Flüchtlingspolitik. Die Künstler wollen am 28. Juni 100 Syrer mit dem Flugzeug aus der Türkei nach Deutschland bringen. Sonst seien Flüchtlinge bereit, sich den Zirkustigern in dem Gehege öffentlich zum Fraß vorzuwerfen. Für den Flug werden im Internet Spenden gesammelt. Das Tiger-Gehege, ein Bühnenbild vom Gorki-Theater, zieht seit dem Aufbau neugierige Blicke von Passanten auf sich.

Die Begründung des Bezirks hat nichts mit den Tieren zu tun oder ob das Spektakel vielleicht geschmacklos ist. Vielmehr geht es um Zuständigkeiten. Die Aktion wurde aus Sicht der Behörde nicht richtig angemeldet und fällt nicht ins Straßengesetz. Die Anlage sei unverzüglich zu beseitigen. Die Zehn-Tages-Frist ergebe sich aus der Abbauzeit.

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Die Künstler hätten demnach die "Meinungskundgabe" nicht genehmigen, sondern einfach bei der Versammlungsbehörde, also bei der Polizei, anmelden müssen. "Neben der Kunstfreiheit zählt auch die Versammlungsfreiheit zu den Grundrechten in der Bundesrepublik Deutschland", heißt es in der Mitteilung des Bezirks.

Das Theater legt nach eigenen Angaben gegen den Bescheid des Bezirks Widerspruch ein und klagt vor dem Verwaltungsgericht gegen die Anordnung des sofortigen Vollzugs. "Die täglichen Veranstaltungen vor der Arena finden deshalb wie angekündigt statt", teilte die Bühne mit.

Co-Intendant Jens Hillje sagte: "Auch eine politisch provozierende Theaterinszenierung ist Kunst und durch unser Grundgesetz geschützt." Die Bühne werde dem Straßen- und Grünflächenamt eine Ausgabe des Grundgesetzes schicken, die das Zentrum für politische Schönheit allabendlich an die Tiger verfüttere.

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