Keine Einigung mit Kausch

Kreuzberger Myfest steht weiter auf der Kippe

Fanmeilen-Organisator Willy Kausch wird das Myfest doch nicht als Veranstalter übernehmen. Der Bezirk will das Fest politisch halten.

Di, 23.02.2016, 20.31 Uhr

Das Myfest war einst 2003 gegründet worden, um die üblichen Gewaltausbrüche am 1. Mai durch die bloße Präsenz friedlich Feiernder einzuschränken. Allerdings waren sich Bezirk und Polizei zuletzt uneins, ob das Myfest eine politische Versammlung oder ein Straßenfest ist - ein wichtiger Punkt, schließlich hängt davon ab, wer die Kosten für die Sicherheit übernehmen muss.

Video: Rundfunk Berlin-Brandenburg
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Das Myfest am 1. Mai in Kreuzberg steht wieder auf der Kippe. Seit Dienstagnachmittag ist klar, dass Fanmeilen-Organisator Willy Kausch das Fest nicht als Veranstalter übernehmen wird. Das bestätigte Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, der Berliner Morgenpost.

Das Bezirksamt und die Myfest-Crew hätten sich darauf verständigt, "dass das Myfest eine politische Veranstaltung bleibt und kein Straßenfest wird", so Herrmann. Für ein politisches Fest in Kreuzberg sei Willy Kausch nicht der passende Partner. Dies sei "das einvernehmliche Ergebnis" eines gemeinsamen Gesprächs am Dienstag gewesen.

Kausch bestätigte den Vorgang. Das Gespräch habe nur wenige Minuten gedauert. Seitens des Bezirks hätten daran rund 30 Menschen teilgenommen. Diese hätten ihm schließlich "sehr freundlich" mitgeteilt, dass er für eine politische Veranstaltung nicht der richtige Partner sei. Er habe dem zugestimmt, sagte Kausch der Berliner Morgenpost und der Myfest-Crew viel Glück gewünscht.

Vorschlag des Innensenators

Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte Kausch als Veranstalter vorgeschlagen. Am vergangenen Donnerstag habe es am Rande der Abgeordnetenhaussitzung ein Treffen zwischen Senator, Bezirk und dem versierten Großveranstaltungsorganisator gegeben, hieß es aus Koalitionskreisen. Kausch widersprach am Dienstag gegenüber der Morgenpost Medienmeldungen, er habe sich grundsätzlich bereit erklärt, das Myfest zu übernehmen. Er habe lediglich einem Gespräch mit den Bezirksvertretern zugestimmt. Dieses habe nun stattgefunden.

Frank Henkel werde sich am Mittwoch mit der Myfest-Crew treffen, sagte ein Sprecher des Senators der Berliner Morgenpost. Der Termin sei bereits vor der Absage an eine Zusammenarbeit mit Willy Kausch vereinbart worden. "Der Senator hat Gespräche vermittelt, um den Bezirk bei einer Lösung für das Myfest zu unterstützen. Es besteht aus unserer Sicht weiterhin ein hohes Interesse, dass ein solches Fest stattfindet. Die Innenverwaltung steht für einen Austausch mit dem Bezirk weiterhin zur Verfügung", erklärte der Sprecher weiter.

Polizei sieht die Riesenparty nicht als politische Versammlung an

Da sich Bezirk und Polizei uneinig sind über den Charakter des Festes, bleibt dessen Zukunft ungewiss. Nach Auffassung der Bezirksbürgermeisterin liegt der Ball nun beim Innensenator. "Entweder er trägt den politischen Charakter mit oder es findet nichts statt", sagte sie am Dienstag. Die Polizei sei als Versammlungsbehörde nur zuständig für politische Versammlungen, also Demonstrationen und Kundgebungen, erklärte Polizeisprecher Stefan Redlich.

Ein solcher Rechtscharakter treffe auf das Myfest nicht zu. Tatsächlich dominierten dort mehr und mehr Partystimmung, Musikbühnen und Getränkestände das Bild. In den vergangenen Jahren sei das Myfest vom Bezirksamt als politische Veranstaltung angemeldet und durchgeführt worden, sagte Redlich der Berliner Morgenpost. Dabei liege aber die Verantwortung weiter beim Bezirk. Die Polizei habe ihre Position nicht verändert, das Myfest könne nach ihrer Ansicht auch in diesem Jahr wieder unter diesen Vorzeichen stattfinden.

Myfest sorgt für weitgehend friedlichen 1. Mai in Kreuzberg

Das große Kreuzberger Straßenfest wurde 2003 ins Leben gerufen, um Krawallen und Ausschreitungen am 1. Mai in Kreuzberg zu begegnen. Die Rechnung ging auf, das Myfest sorgte dafür, dass es am 1. Mai in Kreuzberg keine allzu große Randale mehr gab. Auch Polizeisprecher Redlich erklärte, man sei sich sehr wohl bewusst, welche Rolle das Fest bei der Entwicklung hin zu einem weitgehend friedlichen 1. Mai in Kreuzberg spiele.

Allerdings geriet das Myfest immer mehr zur gigantischen Party und zog immer mehr Menschen an. 2015 kamen mehr als 200.000 Gäste. Der Bezirk hatte daraufhin angekündigt, er werde 2016 nicht als Veranstalter auftreten. Die Verantwortung für etwaige Schäden und die Kosten für Sicherheit und Müllentsorgung seien nicht tragbar.

Letztlich geht es also darum, wer die Kosten trägt – daran hatte sich auch in der Vergangenheit das Land Berlin beteiligt – und vor allem um Haftungsfragen. Seit der Love-Parade-Katastrophe 2010 in Duisburg sind Kommunen vorsichtiger geworden, wenn der große Erfolg von Festen zur Gefahr wird. Im vergangenen Jahr ist auf dem Myfest nichts Gravierendes passiert, aber alle Verantwortlichen räumen ein, dass die vergleichsweise enge Kreuzberger Partymeile rund um die Oranienstraße eigentlich nicht auf so viele Menschen ausgelegt ist.

Impressionen vom 1. Mai 2015

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